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Ratgeber · Bogenhausen

UV-Schutz in Höhenlage: der Faktor auf der Tube ist eine Labornummer

Niemand trägt Labormengen auf. Wer versteht, wie Filter arbeiten und wovon der reale Schutz abhängt, trifft im Alpenvorland bessere Entscheidungen.

Zwei Finger tragen einen dicken weißen Streifen Sonnenschutz auf einen Handrücken auf, harter Schattenwurf im dunklen Bild
KI-generiertes Bild

Zwei Menschen benutzen dasselbe Produkt mit demselben Lichtschutzfaktor am selben Tag am selben Ort. Der eine kommt abends unverändert nach Hause, der andere mit einem Sonnenbrand an den Ohren. Am Produkt lag es nicht.

Der Lichtschutzfaktor ist die am häufigsten gelesene und am seltensten verstandene Zahl der gesamten Kosmetik. Er ist unter definierten Laborbedingungen ermittelt worden, mit einer Auftragsmenge, die im Alltag praktisch niemand erreicht. Was am Ende auf der Haut ankommt, hängt von Entscheidungen ab, die auf der Verpackung nicht stehen.

Für München ist das besonders relevant, weil die Belastung hier nicht die einer Großstadt ist, sondern die des Alpenvorlands mit einem Hinterland, das an einem freien Tag erreichbar ist.

UVA und UVB: zwei Strahlungsanteile, zwei Wirkungen

UVB ist der kurzwelligere Anteil. Er wird überwiegend in der Oberhaut absorbiert und ist hauptverantwortlich für den Sonnenbrand, das Erythem. Er schwankt stark mit Tageszeit, Jahreszeit und Bewölkung.

UVA ist langwelliger und dringt tiefer ein, bis in die Lederhaut. Er trägt maßgeblich zur lichtbedingten Hautalterung bei, ist an Pigmentveränderungen beteiligt und, der praktisch wichtigste Punkt, er ist deutlich weniger von Bewölkung, Tageszeit und Jahreszeit abhängig als UVB. Außerdem durchdringt er Fensterglas.

Das erklärt zwei Alltagsbeobachtungen: Man kann sich an einem bewölkten Tag ohne Sonnenbrand eine erhebliche UVA-Dosis einfangen. Und ein Platz am Fenster ist kein Schattenplatz.

Was der Lichtschutzfaktor misst und was nicht

Der ausgewiesene Lichtschutzfaktor beschreibt im Wesentlichen den Schutz vor UVB, gemessen an der Verzögerung des Erythems. Über den UVA-Schutz sagt er zunächst nichts.

Dafür gibt es eine eigene Kennzeichnung: das Zeichen mit den Buchstaben UVA in einem Kreis. Es steht dafür, dass der UVA-Schutz in einem festgelegten Verhältnis zum ausgelobten Lichtschutzfaktor steht. Wer ein Produkt aussucht, sollte auf dieses Zeichen achten, es sagt mehr über die Qualität des Schutzes aus als eine hohe Zahl allein.

Die Menge ist die wichtigste Variable

Hier liegt der Grund für die meisten Sonnenbrände trotz Sonnencreme.

Der Faktor wird mit einer standardisierten Menge pro Hautfläche ermittelt. Diese Menge ist deutlich größer, als sich intuitiv richtig anfühlt. Die meisten Menschen tragen einen Bruchteil davon auf. Und der Zusammenhang ist nicht linear in dem Sinne, dass die halbe Menge den halben Schutz ergibt; der reale Schutz sinkt überproportional, sobald deutlich zu wenig aufgetragen wird.

Praktisch heißt das: Ein Produkt mit hohem Faktor, dünn aufgetragen, kann in der Realität schwächer schützen als ein Produkt mit mittlerem Faktor, das großzügig aufgetragen wurde.

Als Faustregel für das Gesicht hat sich die Zwei-Finger-Regel eingebürgert: zwei ausgestreckte Streifen Produkt, jeweils über die volle Länge von Zeige- und Mittelfinger, für Gesicht und Hals. Für die meisten Menschen ist das beim ersten Mal überraschend viel. Genau das ist der Punkt.

Mineralisch oder organisch

Mineralische Filter, praktisch bedeutet das Zinkoxid und Titandioxid, liegen als feine Partikel auf und in der obersten Hautschicht und wirken durch eine Kombination aus Streuung, Reflexion und Absorption. Zwei Eigenschaften sind für die Praxis relevant: Sie wirken sofort nach dem Auftragen, und sie sind sehr gut verträglich. Der Nachteil ist der Weißfilm, der je nach Hautton von kaum sichtbar bis deutlich reicht.

Organische Filter, häufig etwas irreführend als „chemische“ Filter bezeichnet, absorbieren die Strahlungsenergie und geben sie in Form von Wärme oder langwelligerem Licht wieder ab. Sie lassen sich kosmetisch deutlich eleganter formulieren: leicht, unsichtbar, unter Make-up tragbar. Sie brauchen allerdings eine Einziehzeit von einigen Minuten, und einzelne Filter sind für sich genommen nicht sonderlich photostabil, weshalb moderne Produkte mit Kombinationen und Stabilisatoren arbeiten.

In der Praxis sind viele gute Produkte Kombinationen aus beidem. Die sinnvollste Auswahlregel ist deshalb pragmatisch: Das beste Produkt ist das, das Sie tatsächlich in ausreichender Menge auftragen. Ein perfekt formulierter mineralischer Schutz, den Sie wegen des Weißfilms sparsam benutzen, schützt schlechter als ein leichtes Fluid, das Sie großzügig verwenden.

Nachcremen: was „wasserfest“ bedeutet

Ein verbreitetes Missverständnis: Wasserfest heißt nicht, dass der Schutz länger hält. Es heißt, dass ein definierter Anteil des Schutzes nach einer festgelegten Zeit im Wasser noch vorhanden ist.

Abgetragen wird ein Sonnenschutz durch drei Dinge: Wasser, Schweiß und vor allem Reibung: das Handtuch, das Halstuch, der Rucksackgurt, der Ärmel. Nachcremen ist deshalb keine Verlängerung des Faktors, sondern der Ersatz von Material, das nicht mehr da ist. Nach ein paar Stunden im Freien, nach dem Schwitzen und nach jedem Abtrocknen gehört neu aufgetragen.

Die Stellen, die alle vergessen

  • Ohren, besonders die Oberkante und der Bereich vor dem Ohr
  • Nacken und der Übergang zum Haaransatz
  • Handrücken: die Fläche mit der höchsten Lebenszeitdosis überhaupt
  • Scheitel und Wirbel, bei kurzem oder dünner werdendem Haar
  • Lidkante und der Bereich unter dem Auge, wo die Haut am dünnsten ist
  • Lippen, für die es eigene Produkte mit Filter gibt
  • Nasenunterseite und Kinnunterseite, sobald reflektierende Flächen im Spiel sind

Höhenlage: warum die Rechnung im Umland anders aussieht

Mit zunehmender Höhe nimmt die UV-Belastung zu, weil weniger Atmosphäre über dem Kopf steht, die streuen und absorbieren kann. Der Zuwachs ist pro hundert Höhenmeter klein, summiert sich über eine Fahrt von München auf zweitausend Meter aber zu einer erheblich stärkeren Belastung als in der Stadt.

Dazu kommen reflektierende Flächen: Schnee wirft einen sehr großen Teil der Strahlung zurück, Wasser und heller Fels ebenfalls einen deutlichen Anteil. Diese Reflexion trifft von unten und seitlich, also genau dort, wo Kleidung und Kopfbedeckung nicht schützen.

Und schließlich der Faktor, der am wenigsten mit Physik zu tun hat: Ein Bergtag dauert Stunden. Die Expositionszeit ist der Multiplikator, der alles andere verstärkt.

Der ehrlichste Schutz ist Textil

Kleidung schützt zuverlässiger als jedes Produkt, weil sie nicht abgerieben, nicht zu dünn aufgetragen und nicht vergessen wird. Entscheidend sind die Dichte des Gewebes und, bei zertifizierten Textilien, die ausgewiesene UV-Schutzangabe. Eine breite Krempe schlägt jede Schirmmütze, weil sie Ohren und Nacken mit abdeckt.

Und ein Punkt, der immer wieder auftaucht: Make-up mit Lichtschutzfaktor ist kein Sonnenschutz. Nicht weil der Filter schlecht wäre, sondern weil niemand Foundation in der Menge aufträgt, die dem gemessenen Faktor zugrunde liegt.

Hinweis UV-Belastung ist ein bekannter Risikofaktor für Hautveränderungen und Hautkrebs. Lassen Sie neue, wachsende, unregelmäßig gefärbte, juckende oder blutende Muttermale sowie raue Stellen, die nicht abheilen, dermatologisch untersuchen und nutzen Sie die angebotene Hautkrebsvorsorge. Bei photosensibilisierenden Medikamenten oder Lichterkrankungen sprechen Sie den Sonnenschutz ärztlich ab.

Häufige Fragen

Muss ich auch im Winter und bei Bewölkung eincremen? Bei UVA ja. Es ist deutlich weniger wetterabhängig als UVB und durchdringt Wolken weitgehend. In der Stadt an einem grauen Januartag ist die Dringlichkeit gering; auf dem Berg über der Wolkendecke ist sie hoch.

Ist ein sehr hoher Faktor besser als ein mittlerer? Der Unterschied im rechnerischen Schutz zwischen hohen Faktoren ist kleiner, als die Zahlen suggerieren. Deutlich wichtiger sind ausreichende Menge, gleichmäßiges Auftragen und Nachcremen. Für einen Tag mit Schneereflexion ist ein hoher Faktor trotzdem die vernünftige Wahl.

Kann ich Sonnenschutz unter Make-up tragen? Ja, und das ist die richtige Reihenfolge: Pflege, dann Sonnenschutz, dann Make-up. Lassen Sie den Filter ein paar Minuten antrocknen, bevor Sie weiterarbeiten. Sonst vermischen sich die Schichten und der Film wird ungleichmäßig.