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Alpensonne im Winter: warum die Haut im Februar mehr abbekommt

Um sieben am Bahnsteig, um zwölf auf zweitausend Metern im Schnee. Sonnenschutz gilt als Sommerthema, und ist im Winter die dringlichere Frage.

Eine dicke, wachsartige Schutzcreme auf dunklem Stein, daneben Frost und ein Lippenstift mit Filter im kalten Streiflicht
KI-generiertes Bild

Der Tag beginnt im Dunkeln. Am Bahnsteig ist es kalt, im Zug schläft die halbe Wagenreihe, und niemand denkt an Sonnencreme, es ist Februar. Fünf Stunden später steht dieselbe Person auf einem Hang oberhalb der Baumgrenze, die Sonne steht flach, der Schnee blendet, es ist windstill und angenehm warm im Gesicht.

Am Abend, wieder in München, ist die Haut rot. Nicht überall, sondern in einem Muster, das viele nicht zuordnen können: unter der Nase, unter dem Kinn, an den Ohrläppchen, an den Lippen. Alles Stellen, auf die die Sonne von oben gar nicht scheint.

Genau das ist der Punkt. In den Bergen kommt die Strahlung nicht nur von oben.

Die Höhe: weniger Atmosphäre über dem Kopf

UV-Strahlung wird auf ihrem Weg durch die Atmosphäre gestreut und teilweise absorbiert. Je weniger Luftschicht zwischen Sonne und Haut liegt, desto weniger wird abgeschwächt. Mit jedem Höhenmeter nimmt die Belastung deshalb zu. Nicht dramatisch pro Meter, aber über tausend oder zweitausend Meter Anstieg spürbar und in einer Größenordnung, die man nicht ignorieren kann.

Für München ist das keine Reisebedingung, sondern eine Ausflugsbedingung. Die Voralpen sind mit dem Zug in gut einer Stunde erreichbar, die höheren Lagen in zwei. Ein durchschnittlicher Wintersamstag bringt eine Haut, die die Woche über in Büroluft war, in Höhenlagen, für die sie nicht vorbereitet ist.

Dazu kommt ein Faktor, der oft übersehen wird: Die Kälte betäubt die Rückmeldung. Ein warmes Gefühl auf der Haut, das im Sommer als Warnung funktioniert, entsteht bei kaltem Wind gar nicht. Man merkt es erst am Abend.

Albedo: die Strahlung von unten

Der zweite Faktor ist der, der das Rötungsmuster erklärt.

Albedo bezeichnet das Rückstrahlvermögen einer Oberfläche. Gras, Erde und Asphalt reflektieren nur einen kleinen Teil der auftreffenden UV-Strahlung. Frischer Schnee reflektiert einen sehr großen Teil. Er ist die stärkste natürliche Reflexionsfläche, die man im Alltag antrifft, deutlich stärker als Wasser oder heller Sand.

Praktisch bedeutet das: Auf einem Schneefeld bekommt die Haut die direkte Strahlung von oben und einen erheblichen Anteil reflektiert von unten. Und genau der trifft Stellen, die im Sommer nie belastet werden:

  • die Unterseite der Nase und der Nasenflügel
  • die Kinnpartie und die Halsunterseite
  • die Ohrläppchen und die Region hinter den Ohren
  • die Unterlippe: die Stelle, die am wenigsten geschützt und am schlechtesten eingecremt ist
  • der Bereich unter der Skibrille, wenn diese verrutscht

Wer im Winter nur die Stirn eincremt, hat den falschen Teil des Gesichts geschützt.

Bedeckt heißt nicht geschützt

UVB-Strahlung (der Anteil, der für den Sonnenbrand hauptverantwortlich ist) wird von dichter Bewölkung deutlich reduziert. UVA dagegen durchdringt Wolken weitgehend, und es durchdringt auch Fensterglas.

Für einen Wintertag in den Bergen heißt das zweierlei. Erstens: Ein diesiger, bewölkter Tag auf Höhe ist keine Entwarnung. Zweitens: Die Fahrt in einer Gondel oder auf einem Sessellift mit Wetterschutzhaube schützt nicht so, wie es sich anfühlt.

Und es gibt eine Konstellation, die besonders unterschätzt wird: die Hochnebellage. Wer aus dem Münchner Grau in eine Höhenlage über der Wolkendecke fährt, erlebt einen Sprung von diffusem, schwachem Licht zu Sonneneinstrahlung mit voller Reflexion, innerhalb weniger Stunden, ohne jede Anpassungszeit für die Haut.

Textur: warum das Sommerfluid im Winter falsch ist

Ein Punkt, den viele erst nach dem ersten Versuch verstehen. Leichte, wässrige Sonnenfluids sind im Sommer angenehm. Im Winter auf dem Berg haben sie zwei Probleme.

Erstens die Verdunstungskälte: Ein hoher Wasseranteil verdunstet auf der Haut und entzieht dabei Wärme, bei Wind und Minusgraden ein spürbarer Nachteil. Zweitens die Kälteempfindlichkeit der Formulierung selbst: Wasserreiche Emulsionen können bei starkem Frost ihre Struktur verlieren.

Sinnvoller sind reichhaltige, fettreichere Formulierungen. Im Idealfall wasserfreie oder wasserarme Zubereitungen, die zugleich als Schutz gegen Wind und Kälte wirken. Sie bilden einen Film, der die Verdunstung von der Hautoberfläche bremst. Für Lippen gilt das doppelt: ein Stift mit UV-Filter, wachsbasiert, und mehrmals über den Tag erneuert.

Wind, Kälte und Feuchtigkeit

Neben der Strahlung wirkt der zweite Belastungsfaktor: Kalte Luft kann physikalisch sehr wenig Wasser aufnehmen. Wird sie in Innenräumen erwärmt, sinkt ihre relative Feuchte stark ab. Die Haut verliert dadurch drinnen wie draußen Wasser nach außen, und Wind beschleunigt das zusätzlich, indem er die gesättigte Luftschicht unmittelbar über der Haut ständig abträgt.

Das Ergebnis ist eine Haut, die gleichzeitig strahlenbelastet und ausgetrocknet ist. Beides zusammen erklärt, warum viele Menschen ihre empfindlichste Phase nicht im Sommer, sondern im Februar haben.

Die Augen: Schneeblindheit ist real

Ein Punkt, der über Kosmetik hinausgeht, aber in denselben Zusammenhang gehört. Photokeratitis, umgangssprachlich Schneeblindheit, ist eine Entzündung der Hornhaut durch UV-Strahlung. Sie tritt typischerweise mit einigen Stunden Verzögerung auf und äußert sich als Fremdkörpergefühl, Tränen, Lichtscheu und Schmerzen.

Das ist der sachliche Grund für eine Brille mit ausreichendem UV-Schutz und seitlicher Abdeckung. Eine modische Sonnenbrille ohne seitlichen Schutz lässt genau die reflektierte Strahlung von unten und von der Seite durch.

Die praktische Wintermorgen-Reihenfolge

  1. Pflege zuerst, reichhaltig, und einziehen lassen.
  2. Lichtschutz darüber, großzügig. Die Menge ist wichtiger als die Zahl auf der Tube.
  3. Ohren, Nasenunterseite, Kinnunterseite, Hals gezielt nachlegen. Das ist der Schritt, den fast alle auslassen.
  4. Lippenstift mit Filter in die Jackentasche, nicht in den Rucksack.
  5. Nachlegen nach ein paar Stunden: spätestens nachdem geschwitzt oder das Gesicht am Halstuch abgerieben wurde.

Hinweis Wiederholte UV-Belastung ist ein bekannter Risikofaktor für Hautveränderungen. Lassen Sie neue, wachsende, farblich uneinheitliche oder blutende Muttermale sowie raue Stellen, die nicht abheilen, dermatologisch beurteilen und nehmen Sie das Angebot einer Hautkrebsvorsorge ernst. Anhaltende Augenschmerzen oder Sehstörungen nach einem Tag im Schnee gehören augenärztlich abgeklärt.

Häufige Fragen

Reicht eine Tagescreme mit Lichtschutzfaktor für einen Skitag? Nein. Der ausgewiesene Faktor wird unter Laborbedingungen mit einer Auftragsmenge ermittelt, die im Alltag praktisch nie erreicht wird und bei einer Tagescreme schon gar nicht. Für einen Tag mit Schneereflexion braucht es ein eigenes Produkt in ausreichender Menge.

Werde ich in den Bergen schneller braun? Sie bekommen mehr Strahlung ab, und die Haut reagiert entsprechend schneller. Die Bräunung ist dabei eine Schutzreaktion auf eine bereits erfolgte Belastung, nicht deren Beweis für Verträglichkeit.

Was hilft, wenn die Haut abends schon gerötet ist? Kühlen, viel Feuchtigkeit, reizarme Pflege, und für die nächsten Tage keine Säuren, keine Retinoide, kein Peeling. Blasen, starke Schwellung oder Allgemeinbeschwerden gehören ärztlich beurteilt.